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Umstieg auf TIA - was ist anders, was muß man beachten?


Inhalt




Was ist das TIA-Portal?

Das TIA-Portal ist der Nachfolger vom klassischen Step7. Daher spreche ich im Folgenden auch vom Step7 classic, wenn Step7-Versionen vor V10 gemeint sind. Aktuell ist V13. Es wird auch dringend empfohlen, diese Version zu benutzen, da sie erheblich stabiler und nutzbarer ist, als die Vorgängerversionen.
Das TIA-Portal bringt eine gemeinsame Datenhaltung für alle Projektbestandteile, so daß das Arbeiten effektiver und die Dateneingabe vereinfacht werden soll.
Die Siemens-Broschüre verrät mehr...
Das TIA-Portal setzt auf dem .NET-Framework auf.

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Muß ich umsteigen?

Die Antwort ist ganz klar: Jain.
Es kommt immer darauf an. TIA ist der Nachfolger von Step7 5.5. Das bedeutet, daß Sie Step7 classic in Zukunft nicht mehr zuverlässig auf neuen Betriebssystemen installieren können. Der Support wird irgendwann eingestellt. Zusatzsoftware wird nicht mehr entwickelt.
Das TIA-Portal ist die Zukunft. Alle Zusatzsoftware wird für das TIA-Portal entwickelt. Neue Betriebssysteme werden nur zuverlässig vom TIA-Portal unterstützt.

Bei den Projekten, welche Sie bearbeiten, kommt es darauf an: Arbeiten Sie nur mit Bestandsanlagen, so brauchen Sie erst einmal nicht umzusteigen, denn Hardware vor dem 01.10.2007 wird nur unterstützt, wenn sie im Hardware-Katalog vom TIA-Portal enthalten ist. Und auch bei der Migration von Hardware nach diesem Stichtag kommt es immer wieder zu Abbrüchen. Empfehlung: Alte Projekte weiter mit Step7 pflegen, so lange es geht. Neue Projekte sofort mit TIA anfangen.
Eine detaillierte Liste der unterstützten Hardware finden Sie bei Siemens.

Müssen Sie die neue CPU-Generation S7-1200, S7-1500 oder die neue Panel-Generation "Comfort-Panels" programmieren, kommen Sie um TIA nicht herum.
Aufgrund der geänderten Datenhaltung sind TIA und Step7 classic nicht kompatibel. Sie können beide gleichzeitig installieren, aber nicht Projekte mal mit dem einen und mal mit dem anderen Programm bearbeiten.

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Wo liegt der Unterschied zu Step7 classic

Step7-classic-Projekte besitzt die uns allen bekannte Verzeichnisstruktur mit allen Dateien, die dazu gehören. Jedes Objekt im Projekt war eine Datei.
Davon geht TIA ab: Es wird nun mit Datenbanken gearbeitet.



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Das spiegelt sich auch im TIA-Portal selbst wieder: Es gibt nicht mehr viele unterschiedliche Editoren für jede Aufgabe, sondern es gibt das TIA-Portal als Oberfläche. Punkt.
Hier spielt sich alles ab. Ähnlich wie WinCCflexible ist das Fenster vom TIA-Portal in verschiedene gedockte Bereiche geteilt.

Der Vorteil: Es gibt jetzt für alle Projektbestandteile (Visualisierung, Motorsteuerung, SPS-Programm) eine gemeinsame Datenhaltung und damit ein gemeinsames Fenster.

Der Nachteil: Es gibt jetzt für alle Projektbestandteile ein gemeinsames Fenster. In meinen Augen ist es tatsächlich ein Nachteil, da das TIA-Portal-Fenster total überladen ist. Ist der Monitor auch noch so groß, man ist ständig dabei, irgendwelche Docking-Fenster mit Informationen, welche man gerade nicht benötigt, auszublenden. Allerdings kann man die gedockten Fenster-Bestandteile abdocken und dann auf den zweiten Monitor verschieben. Was bei der effektiven Arbeit aber auch nicht unbedingt hilft - außer man bekommt Maus-Kilometer-Geld.



Ein weiterer Nachteil vom gemeinsamen Fenster für alles:
Es werden keine Programmteile (Baustein, HW-Konfig, ...) gespeichert, sondern nur das gesamte Projekt. Stürzt also nach Stunden des Arbeitens TIA ab, sind alle Änderungen seit Start des Programms verloren.
Mit TIA muß man sich also tatsächliche eine Philosophie des regelmäßigen Speicherns angewöhnen.

Es gibt zwei Ansichten, zwischen denen Sie hin- und herschalten können: Die Portalansicht und die Projektansicht.

In der Portalansicht befinden Sie sich auf der höchsten Projektebene, können öffnen, migrieren, schließen, Hardware einfügen, Verfügbare Teilnehme anzeigen etc.
In der Projektansicht sind Sie mitten im Projekt und projektieren und programmieren.

Es gibt kein WinCCflexible und WinCC mehr. - Nun gibt ein WinCC Basic/Advanced/Professional.
WinCC Basic und Advanced können Panels programmieren. Je nach Panel benötigt man Basic oder dann doch Advanced.
Das klassische WinCC findet man im WinCC Professional wieder, allerdings fehlen einige wesentliche Funktionen von WinCC - und an manchen Stellen kann auch WinCC Advanced mehr als WinCC Professional. Beispielsweise kann Advanced UDTs an Bildbausteinen. In Professional wird das nicht unterstützt.
Mehr dazu unter Tipps und Tricks zu WinCC

Ein weiterer Unterschied ist, daß Sie im TIA-Portal dazu angehalten werden, symbolisch zu programmieren. DBs können speicheroptimiert angelegt werden. In diesem Fall ist dem Programmierer nicht mehr bekannt, an welcher Stelle seine Variable liegt. Daher ist symbolischer Zugriff möglich.
Es wird auch von Siemens empfohlen, in Zukunft nicht mehr einzelne Parameter an Funktionen zu übergeben, sondern Strukturen. So wird die Zugriffsgeschwindigkeit erhöht. Siemens spricht von bis zu 3fach schnelleren Zykluszeiten bei derartiger Programmierung.
Es ist jetzt auch möglich, komplette Strukturen (UDTs) an der Peripherie zu projektieren. So lassen sich über SCL dann komplette E/A-Bereiche mit einer Zeile Code in DBs kopieren und umgekehrt.

Die Hardware wird nicht mehr als anonyme Textzeile in einer Tabelle konfiguriert, sondern als Bild dargestellt. Die Eigenschaften sind direkt einsehbar im Eigenschaften-Fenster und müssen nicht separat aufgerufen werden.



Die Programmbausteine sind weiterhin nach Typ (OB/FB/FC/DB), dann aber nicht mehr nach Nummer sortiert, sonden nach vergebenem symbolischen Namen. Alle Objekte (Funktionen, DBs, Bilder,...) können in Ordnern sortiert werden, so daß man einen besseren Überblick behält.

TIA bietet nun für die 1200er und 1500er CPUen in den graphischen Programmiersprachen eine sogenannte "Calculate-Box", in der Formeln direkt eingegeben werden können.



Die Online-Funktionalität wurde stark erweitert. Beispielsweise werden alle Baugruppen und alle Bausteine im Online-Zustand mit dem Offline-Stand verglichen.

Wer sich in Step7 an die Tastenkürzel gewöhnt hat, muß sich umgewöhnen! Es ist wenig, wie es einmal war, speziell in den Editoren. Die neuen Tastenkürzel findet man unter Extras bei den Einstellungen... in der Kategorie Tastenkombinationen. Diese lassen sich leider nicht ändern.
Allgemein ergibt die Erfahrung: In TIA benötigt man immer einen Klick mehr, um zum gleichen Ergebnis zu gelangen, wie in Step7 classic.

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Wie gelingt der Umstieg?

Bei der Installation sollten Sie unter dem Punkt "Migration" alle Optionen wählen.
Nach der Installation ist es als erstes ratsam, alle GSD-Dateien aus Step7 classic in das TIA-Portal zu importieren.
Denn das TIA-Portal ist erst einmal genau so dumm und jungfräulich, wie ein frisch installiertes Step7 classic.
Von einer möglichen Datenübernahme aus Step7 classic bei der Installation vom TIA-Portal: Fehlanzeige.
Am schnellsten geht es so:
  • Öffnen Sie das TIA-Portal
  • Gehen Sie unter Extras auf GSD-Dateien installieren
  • Es öffnet sich ein Verzeichnis-Auswahldialog. Wählen Sie im Installationsverzeichnis von Step7 classic das GSD-Verzeichnis.
    In der Regel: C:\Programme\SIEMENS\STEP7\S7DATA\GSD
  • TIA liest das Verzeichnis ein und bietet Ihnen an, die GSD-Dateien zu selektieren, welche Sie importieren möchten.
  • Markieren Sie mit der obersten Checkbox einfach alls GSD-Dateien und klicken Sie auf OK.
  • Nach einiger Zeit (bei mir haben 74 Dateien etwa 2 Stunden plus einem Absturz gedauert) sind alle GSD-Dateien importiert.
  • Fertig!


Haben Sie TIA auf XP Professional installiert, sollten Sie die Hardwarebeschleunigung der Grafikkarte abschalten, da dieses zu unerwünschten Effekten führen kann. Dazu gehen Sie in die Anzeige-Eigenschaften -> Einstellungen -> Erweitert -> Problembehandlung und stellen dort den Regler auf "Keine".

Zu Hardware-Voraussetzungen:
Ich habe es auf einem 2GHz-Rechner mit 2GB RAM auf XP Prof. SP3 installiert: Und es läuft.
Schnell und ruckelfrei ist anders, aber es läuft. Ich denke, Geschwindigkeitseinbußen muß man schon aufgrund des .NET-Frameworks hinnehmen.
Man sollte aber immer darauf achten, daß genügend Arbeitsspeicher zur Verfügung steht. Ansonsten stürzt TIA gnadenlos ab. Beispielsweise braucht die Migration von Projekten viel Speicher. Gleichzeitig noch Browser und Emails offen zu haben, sollte man sein lassen. Sonst kommt eine "nicht behandelte Ausnahme" von TIA - und das wars. - Zumal, wie oben bereits beschrieben, dann alle Arbeitsergebnisse seit des letzten Projekt-Speicherns weg sind.
Die Erfahrung zeigt: Sinnvoll ist eine SSD und 8GB Arbeitsspeicher. Die Anschaffung eines UHD-Monitors lohnt sich bei TIA noch nicht wirklich. Klickt man auf Vollbild, so wird nur 3/4 des Bildschirms vertikal gefüllt. Außerdem unterstützte TIA die Vergrößerung der Texte durch Windows nicht, wenn man ein Fenster von einem kleineren Monitor auf einen größeren schiebt. Bestenfalls werden Schriften wie Bitmaps vergrößert. Was nicht zur Leserlichkeit beträgt.

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Welches Paket benötige ich?

  • SIMATIC STEP 7 Basic
    • Gemeinsames Engineering für SIMATIC S7-1200 und die SIMATIC HMI Basic Panels.
    • Für einfache Visualisierungsaufgaben mit den SIMATIC Basic Panels ist SIMATIC WinCC Basic Bestandteil des Lieferumfangs.
  • SIMATIC STEP 7 Professional
    • Ein Engineering für alle SIMATIC Controller S7-1200, S7-1500, S7-300, S7-400 und WinAC für PC-based Control.
    • SIMATIC WinCC Basic ist enthalten.
    • Die mitgelieferte Bausteinbibliothek enthält eine Reihe von Technologiefunktionen, darunter eine PID-Regelung.
    • Optionspakete S7-SCL, S7-GRAPH, S7-PLCSIM, Anlagen-Dokumentation und TeleService sind in STEP 7 Professional bereits integriert und benötigen keine zusätzlichen Lizenzen.
  • SIMATIC-Step7 Safety ist eine Option für fehlersichere Simatic Controller, welche zusätzlich lizensiert werden muß.
  • Simotion zur Umrichterkonfiguration: Kann in TIA integriert werden, funktioniert aber nicht.
  • Momentan raten Nutzer davon ab, das SP1 zu installieren, da einige Funktionen pl√∂tzlich nicht mehr verfügbar sind bzw. nicht funktionieren.


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Migration von Projekten

Um zu migrieren, müssen Sie einen Rechner haben, auf dem Step7-classic mit allen benötigten Paketen installiert und lizensiert ist. Idealerweise ist das TIA-Portal auf dem gleichen Rechner, dann kann eine direkte Migration vorgenommen werden. Andernfalls gibt es einen Projektmigrator, den Sie auf dem Step7-classic-Rechner installieren müssen und der Ihnen ein TIA-Projekt erzeugt. Dieses können Sie dann auf den TIA-Rechner transferieren und öffnen.

Wollen Sie ein integriertes WinCCflexible-Projekt migrieren, muß auch WinCCflexible auf dem Step7-classic-Rechner installiert sein. Und zwar mindestens Version 2008, SP2.

Folgende Versionen Step7 classic und TIA können Sie parallel installieren:

  Step7 V13 WinCC V13
  Basic Professional Basic Comfort/Advanced Professional Runtime Advanced Runtime Professional
Step7 ab V5.4 X X X X X X X
WinCCflexible ab V2008 X X X X X X X
WinCC ab V7.0 SP2 X X X X -- X --


Step7-classic-Projekte können nach V13 migriert werden. V11-Projekte können nach V12 ein Upgrade durchlaufen. V12-Projekte mit S7-300/-400-CPUen können auf S7-1500-CPUen migriert werden. Ob Ihr Step7-classic-Projekt hardwaremäßig bereit für die Migration ist, kann Ihnen das "Readiness Check Tool" verraten.
Projekte, die folgende Bestandteile enthalten, können nicht migriert werden:
  • T-CPU
  • FM35x/FM45x
  • H-Systeme
  • S7-PDiag
  • S7-HiGraph
  • iMap
  • FMS-Verbindungen
  • Multiprojekte
  • ProTool (muß erst in WinCCflexible migriert werden)
  • Team Engineering (Unterstützung vermutlich ab TIA V13)
  • SINUMERIK- und SIMOTION-Kommunikation mit WinCC/WinCCflexible (Unterstützung vermutlich ab TIA V13)
  • S5-Kommunikation mit WinCC/WinCCflexible
  • Eichfähige Anzeigen von Siwarex und ProAgent für WinCC
Migration von Projekten funktioniert nur, wenn das Step7-classic-Projekt folgende Voraussetzungen erfüllt:
  • Step7
    • Es muß konsistent sein
    • Das Meldenummernverfahren muß auf "CPU-weit eindeutig" stehen
    • Alle notwendigen GSD-Dateien müssen im TIA-Portal vorhanden sein
    • Hardware muß vom TIA-Portal unterstützt werden und im HW-Katalog vorhanden sein
  • WinCCflexible
    • Bei mehrsprachigen Projekten müssen die Sprachen vom Betriebssytem unterstützt werden
    • Die für die Darstellung benötigten Schriftarten müssen auf dem Migrations-PC installiert sein
    • Kommunikationstreiber zur Steuerung wird unterstützt (sonst werden alle Variablenverbindungen gekappt). In V12 nur:
      • S7
      • AllenBradley DH485
      • AllenBradley DF1
      • AllenBradley EtherNet/IP
      • Mitsubishi MC TCP/IP
Es können nicht migriert werden:
  • Step7
    • Systemdiagnosen SFM (müssen neu erzeugt werden)
    • Variablentabellen (müssen neu angelegt werden)
  • WinCCflexible
    • Globale Bibliotheken (diese am besten in eine Projektbibliothek kopieren)
    • Wörterbücher
    • Projektversion
    • Änderungslogbuch
    • K-Tasten (da Komfort-Panels diese nicht mehr besitzen)

Safety-Programme besitzen im TIA-Portal eine neue Programmstruktur. Es gibt keinen F-Call-Aufruf aus dem OB35 mehr, sondern der OB35 ruft direkt das "Main-Safety"-Programm auf. Diese neue Programmstruktur wird aber erst übernommen, wenn Sie das F-Programm nach der Migration editieren und neu übersetzen.
Migrieren Sie das Projekt, ohne das F-Programm zu ändern, bleibt die ursprüngliche Struktur und die ursprüngliche Signatur erhalten. Das F-Programm muß nicht neu abgenommen werden.

Sie können Step7-classic-Projekte mit Hardware oder ohne Harware migrieren. Dazu gibt es im Migrationsdialog eine Checkbox. Migrieren Sie ohne Hardware, wird das Programm in eine "unspezifizierte S7-300 bzw. S7-400 CPU" migriert.

Beachten Sie bei der Migration von WinCCflexible-Projekten:
Wird der Bediengerätetyp von WinCC V12 unterstützt, wird das Projekt 1:1 migriert.
Wird der Bediengerätetyp nicht mehr unterstützt, wird das Projekt automatisch in das passende Nachfolgegerät migriert (z.B. MP270 -> MP277 oder MP370 -> MP377).

Rezepturdaten und Benutzerverwaltung müssen Sie per Systemfunktion oder ProSave sichern, das migrierte Projekt aufspielen und dann die gesicherten Daten zurückspielen. Archivdaten auf externen Speichermedien können Sie nach der Migration direkt weiterverwenden.

Objektnamen werden geräteweit eindeutig gemacht. Ordnernamen sind nicht mehr namensgebend. Diese bleiben erhalten, sind aber in unterschiedlichen Ordnern gleiche Objektenamen vorhanden, so werden diese Objekte umbenannt. Skripte werden automatisch angepaßt.
Schriftgrößen werden in WinCC in Pixel angegeben, bisher in Punkten. Die Anpassung erfolgt bei der Migration.
Außerdem werden Datentypen angepaßt, da eine Umstellung gemäß DIN EN 61131-3 erfolgt.
Des weiteren werden die Standard-Meldeklassen und -Meldegruppennummern, sowie die Aufrufstruktur bestimmter Systemfunktionen in VBS-Skripten angepaßt.

Das neue WinCC legt teilweise strengere Prüfkriterien an ein konsistentes Projekt, als WinCCflexible es tat. Beispielsweise war es möglich, in Animationen Wertebereiche für boolesche Variablen anzugeben. Dieses führt in WinCC zu einem Fehler.
Die x77er Panels können Sie mit Hilfe von TIA auch auf die neuen Comfort-Panels migrieren. Dabei ist zu beachten, daß die bisherigen Panels 4:3-Bildschirme besaßen und die neuen Comfort-Panels Widescreens besitzen. Daher können Sie im TIA-Portal auch die Bildposition im Panel einstellen (Extras -> Einstellungen).

Eine Variablensynchronisation kann manuell mit dem TagConverter aus Step7 classic heraus oder über AWL-Quellen erfolgen.

Mein erstes (kleines) Projekt auf V12 zu migrieren, hat mich mehrere Stunden gekostet. Zumal einige Programmabstürze die Stabilität des TIA-Portals unterstrichen haben.

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Wo finde ich was?

  • Simulation
    • Es gibt zwei PLCSim-Systeme: Das "alte" PLCSim (5.x) für "alte" CPUen (300er/400er) und das "neue" PLCSim (V12) für "neue" CPUen (1200er/1500er).
    • Bei mir wählt das TIA-Portal zwar den richtigen Simulator, beendet aber nicht den Aufruf, so daß das Portal nach Aufruf des Simulators nicht mehr nutzbar ist. Daher muß ich den Simulator extern über das Startmenü aufrufen. Dann funktioniert es einwandfrei.
    • Funktioniert bei Ihnen der Aufruf einwandfrei, so finden Sie den Eintrag Simulation im Menü Online. Dieser ist aktiv, sobald Sie eine CPU im Projektbaum markieren.
  • Diagnose
    • Für die Diagnose gehen Sie auf eine Baugruppe (entweder die CPU im Projektbaum oder im Zweig Lokale Baugruppen unter der CPU) und wählen aus dem Kontextmenü Online&Diagnose.
    • Sind Sie erst online, werden im Projektbaum die Diagnosezustände der Baugruppen symbolisch angezeigt. Ist eine Baugruppe nicht 100% OK, reicht auch ein Doppelklick auf das Diagnosesymbol.
    • Im Fenster Online Tools im rechten Bereich, stehen Ihnen die wichtigsten Funktionen und Diagnosen im Überblick zur Verfügung.
  • Quellen, AWL, SCL
    • Es gibt keinen Quellenordner mehr, wie in Step7 classic, wo wir einen Baustein- und einen Quellen-Ordner kennen.
    • SCL ist bereits in TIA integriert, daher gibt es keinen Unterschied zwischen Quellen und Bausteinen. Sie haben einen Bausteinordner Programmbausteine und in diesem liegen alle Bausteine. Sobald Sie einen SCL-Baustein anlegen, wird diesem sofort eine Bausteinnummer und ein Name zugeordnet.
    • SCL-Quellen mit der gesamten Bausteindefinition, ggf. sogar mit mehreren Bausteindefinitionen, gibt es nicht mehr. Der Bausteinkopf ist für den Nutzer nicht mehr sichtbar. Er ist nur noch über die Eigenschaften des Bausteins erreichbar.
    • Wenn Sie daher Quellen migrieren, welche Informationen zu Title, Family, Version, Name und Author enthalten, so müssen Sie diese Informationen ggf. auskommentieren, da TIA diese Keywords nicht mehr kennt und akzeptiert.
    • Für Übersetzen gibt es jetzt keinen Button mehr, sondern nur noch einen Kontextmenü-Eintrag, wenn Sie auf den Baustein klicken.
    • Sie können aus SCL-Bausteinen externe Quellen erzeugen. Dazu nutzen Sie den Button Quelle aus Baustein generieren. Er funktioniert aber nur für SCL-Bausteine. Oder Sie nutzen den Menüpunkt "Als Text kopieren", wie bei AWL-Quellen (s.u.).
    • Für FUP/KOP/AWL-Bausteine ist es ebenso weiterhin möglich Quellen zu erzeugen:
      • Bei FUP/KOP-Bausteinen öffnen Sie das Kontextmenü oder die Eigenschaften des Bausteins und schalten die Programmiersprache auf AWL.
      • Öffnen Sie nun das Kontextmenü des Bausteins und klicken auf "Als Text kopieren".
      • Nun können Sie die Zwischenablage in einen Editor kopieren und als "[Name].AWL" abspeichern.
      • Sie können auch einzelne AWL-Netzwerke als Quelltext kopieren. Dazu öffnen Sie das Kontextmenü auf einer Netzwerküberschrift und wählen dort "Als Text kopieren".
    • Sie können Quellen von extern (von einem anderen Speicherort) ins Projekt holen. Dazu gehen Sie im Projektbaum unter Externe Quellen und fügen die Quelle hinzu. Anschließend wählen Sie aus dem Kontextmenü Baustein aus Quelle generieren.
    • Möchten Sie eine externe Quelle aus dem Projekt heraus öffnen, benutzt das TIA-Portal den damit unter Windows verknüpften externen Editor.
    • Die ins Projekt importierten Quellen haben keine Verbindung mehr zur usprünglichen Quelle auf der Festplatte.
    • Die ins Projekt importierten Quellen können nun genau so genutzt werden, für im klassichen Step7 die Quellen im Quellen-Ordner.


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Tipps und Tricks zu WinCC

  • Unterstützung von Anwender-Datentypen (UDTs)
    • UDTs werden unterstützt. Optimal aber nur unter WinCC Advanced. Hier lassen sich Bildbausteine projektieren, welche mit UDTs beschaltet werden können.
    • In den UDTs werden die Kommunikationstreiber kodiert. Das heißt, wenn Sie einen UDT auf einer 1500er und auch auf einer 1200er CPU (oder einer S7-300/400) nutzen, so müssen Sie für jeden CPU-Typ einen eigenen UDT anlegen. Wollen Sie damit Bildbausteine beschalten, bedeutet das in der Folge, daß Sie für jeden CPU-Typ einen eigenen Bildbaustein erstellen müssen.
       
    • [Update]
      Nach Rücksprache mit Siemens ist dieses nur in den "alten" UDTs so, welche aus Gründen der Rückwärtskompatibilität enthalten sind.
      Die "alten" UDTs werden über die Bibliothek erzeugt "Neuen Typ hinzufügen".
      Die "neuen" UDTs werden über den Ordner "PLC-Datentypen" in der Steuerung angelegt. Dann kann der UDT in die Bibliothek übernommen werden und soll unabhängig vom Kommunikationstreiber sein.
      [/Update]
  • Bildbausteine
    • Bildbausteine können in WinCC Advanced mit UDTs beschaltet werden (s.o.).
    • Bildbausteine können nicht innerhalb eines anderen Bildbausteins genutzt werden. Sich wiederholende Elemente in Bildbausteinen müssen also in jedem Bildbaustein einzeln projektiert werden.
    • Bei der Aktualisierung von Bildbausteinen treten gelegentlich Fehler auf. Verändert man Dimensionen innerhalb des Bausteins, werden diese in der Projektierung nicht unbedingt übernommen. Die Ursache kann unter Umständen die Aktivierung des Aeor-Designs von Windows sein, so der Siemens-Support. Auf jeden Fall muß das betreffende Bild aber geschlossen und neu geöffnet werden.
    • Namen der Parametern der Bildbausteine dürfen keine Umlaute enthalten. Gleichwohl fügt WinCC Umlaute mit ein, wenn man Eigenschaften auf die Parameterseite zieht: Es werden die Namen der Eigenschaften als Parameternamen gesetzt, allerdings werden nur die Leerzeichen durch Unterstriche ersetzt. Die Umlaute hatte man dabei nicht im Blick. Diese muß der Nutzer per Hand eliminieren bevor er speichern kann.
       
  • Multiplexing
    • Das Mutliplexing, welches man von WinCCflexible kennt, gibt es auch weiterhin in WinCC, allerdings nur in der Advanced-Version. Diese ist hier klar im Vorteil. Man kann weiterhin Variablen in der Form %DB[DB_NR].DBW[WORD_NR] anlegen oder das "Schalter"-Multiplexen nutzen (eine Variable zeigt abhängig von einem Index auf verschiedene andere Variablen).
    • Im WinCC-Professional gibt es kein Multiplexing. Statt dessen gibt es die indirekte Adressierung: Eine Stringvariable nimmt den Variablennamen auf, dessen Wert genutzt werden soll. Der Nachteil ist, daß man erst einmal jede zu nutzende Variable explizit anlegen muß (diese zählt dann auch zu den Powertags) und zusätzlich noch die STRING-Variable für die indirekte Adressierung.
    • Natürlich ist man bei der indirekten Adressierung an weniger Grenzen gebunden. Über Skripte sind hier alle Möglichkeiten gegeben, auf beliebige Variablen zuzugreifen.
    • Die indirekten Variablenanbindungen werden aktiviert, indem man die Variablenliste [...] öffnet und den Haken "indirekte Adressierung" setzt. Das ist bei fast allen Variablenanbindungen möglich, außer bei z.B. den Tasten. Hier muß die indirekte Adressierung über Skripte gelöst werden. Mit VB ist dieses aber auch kein Problem, da auf Variablen über die Methode "SmartTags()" zugegriffen wird, welche eben einen String übergeben bekommt.
       
  • Powertags
    • In WinCC Advanced lassen sich die Powertags ermitteln, indem man im Projektbaum rechten Mausklick auf das WinCC-Projekt macht und "Eigenschaften" auswählt. Im Eigenschaften-Fenster wählt man "Informationen". Dort sind die Powertags gelistet. Egal wie viele Variablen angelegt sind, gezählt werden nur die genutzten Variablen.
    • In WinCC Professional lassen sich die Powertags ermitteln, indem man im Projektbaum unter der PC-Station auf das WinCC-Projekt einen rechten Mausklick macht und "Eigenschaften" auswählt. Im Eigenschaften-Fenster wählt man "Informationen". Dort sind die Powertags gelistet. Es werden alle angelegten Variablen als Powertags gezählt.
    • Die unter "Informationen" angezeigte Anzahl Powertags wird nur durch Übersetzung des Projekts aktualisiert.
    • Wird ein WinCC Professional-Projekt erstellt, so ist es notwendig, eine ausreichend große Lizenz auf dem Projektierungsrechner installiert zu haben. Ansonsten läßt sich das Projekt nicht komplett übersetzen und prüfen, von Simulation ganz zu schweigen. Es muß also VOR Beginn der Projektierung festgestellt werden, wie viele Powertags benötigt werden. Die Möglichkeit, erst zu projektieren und später für die Runtime eine korrekte Lizenz zu erstehen, funktioniert nicht mehr.
       
  • Runtime einstellen
    • Im alten WinCC gab es die Notwendigkeit, den Runtime-PC im Projekt zu konfigurieren: Auflösung, Bildschirmanzahl etc. Diese Notwendigkeit besteht bei WinCC Professional jetzt nicht mehr. Sie legen bestimmte Runtime-Einstellungen wie Vollbild, Menüleisten etc. im Projekt fest, aber die Auflösung und Bildschirmgröße/-anzahl wird nur noch durch die Bildkonfiguration festgelegt.
       
  • Nicht verwendete Variablen listen / Querverweise
    • Möchten Sie sich z.B. eine Liste von nicht verwendeten Variablen anzeigen, so wählen Sie die Variablenliste im Projektbaum aus und rufen über Rechtsklick im Projektbaum die Querverweise auf. Hier können Sie nun über das Menü die verwendeten oder nicht verwendeten Variablen abwählen. Standardmäßig werden die Querverweise aller Variablen angezeigt. Der Aufbau der Liste dauert einige Zeit. Nicht mit der Maus ungeduldig werden, wildes Klicken, weil keine Reaktion erfolgt, quittiert TIA mit Absturz.
    • Wollen Sie die gesamte Liste nach Excel kopieren (STRG+A, STRG+C), so sei Ihnen angeraten, einmal die Liste durchzublättern. TIA füllt beim Durchblättern einige Tabellenspalten aus, die ohne Durchblättern nicht ausgefüllt werden. Das quittiert TIA wiederum mit Absturz.
       
  • Massenparametrierung / Zusammenarbeit mit Excel
    • An vielen Stellen lassen sich Informationen von TIA nach Excel kopieren. An ebenso vielen Stellen ist der Rückweg von Excel nach TIA aber nicht mehr möglich. Dagegen ist an einigen Stellen ein Export und Import im Excel-XLSX-Format möglich.
    • Insgesamt ist festzustellen, daß die Zusammenarbeit mit Excel wesentlich besser klappt, als mit WinCCflexible. Kennt man aber das Excel-Plugin für das alte WinCC, so sind die aktuellen Möglichkeiten der Massenparametrierung ein Witz.
    • In allen Tabellen ist es in WinCC möglich, Zellen wie in Excel runterzukopieren, indem man den Anfasser in der Zellenecke runterzieht.
       
  • Reset_WinCC.vbs
    • Wenn das konventionelle WinCC nicht mehr reagierte oder sich nicht beenden ließ, so gab es das wunderbare Skript Reset_WinCC.vbs, welches alle Programmteile geschlossen und aufgeräumt hat. Dieses gibt es auch weiterhin im Ordner C:\Program Files (x86)\Siemens\Automation\SCADA-RT_V11\WinCC\bin.
    • Achtung: Wird dieses Skript ausgeführt, so wird auch das TIA-Portal geschlossen und nicht nur die WinCC-Runtime! Es ist also angeraten, vor Ausführung des Skripts das Projekt zu speichern.
       
  • Designs
    • In WinCC lassen sich nun für mehrere Visualisierungen gemeinsame Designs festlegen, so daß eine Änderung des Designs sich in allen Visualisierungen niederschlägt.
    • Den Designeditor finden Sie im Projektbaum im Ordner "Gemeinsame Daten".

Erlebniswert

Insgesamt macht WinCC einen besseren Eindruck, als WinCCflexible. Was enttäuscht, ist, daß es einige fortgeschrittene Funktionen, wie Multiplexen oder UDTs an Bildbausteinen im Advanced-Paket gibt, aber nicht im Professional-Paket, welches ja eigentlich nach normalem Verständnis mehr bieten sollte. Soll eine PC-Runtime erstellt werden, sollte also überlegt werden, ob man lieber mit Advanced oder Professional arbeiten möchte.
WinCC ist so verspielt, wie das ganze TIA-Portal und WinCCflexible. Die Zusammenarbeit mit Excel klappt angemessen, aber noch nicht gut oder sehr gut, hier besteht noch Verbesserungsbedarf.
Wirklich enttäuschen die kleinen Eingabefelder für Variablen. Die Felder sind etwa 13 Zeichen lang, was nicht wirklich lang ist, werden aber auf die Hälfte verkleinert, wenn sie selektiert werden, da die Schaltflächen für die Variablenauswahl innerhalb des Eingabefeldes eingeblendet werden. Diese Eingabefläche wurde ohne Not so knapp bemessen. In den meisten Fällen steht genügend Platz zur Verfügung. Leider wird das Größerziehen der Spalten nicht gespeichert, so daß man es in jedem Element wiederholen muß.
Das Kopieren von Variablen aus Steuerungen in die Visualisierung funktioniert hingegen problemlos und erspart viel Tipparbeit.

Insgesamt also ein durchwachsenes Bild mit Verbesserungspotential.

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Links

Übersicht über die wichtigsten Dokumente und Links bei Siemens.
Das Handbuch zu V12 gibt es hier. Ein Ausdruck der Online-Hilfe auf 4116 Seiten. Das Handbuch zu V13 gibt es hier.
Das Handbuch zu WinCC Advanced V13 gibt es hier.
Das Handbuch zu WinCC Professional V13 gibt es hier.


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... to be continued ...